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Wirecard: Anklage gegen Ex-Chef Dr. Markus Braun erhoben!

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Bereits seit Juli 2020 sitzt der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Wirecard AG Dr. Markus Braun in Untersuchungshaft. Nun, nach rund anderthalb Jahren erhebt die Staatsanwaltschaft München I auf Drängen des Oberlandesgerichts Anklage gegen Dr. Markus Braun und zwei weitere Angeschuldigte. Den Angeschuldigten werden Untreue, gewerbsmäßiger Betrug und weitere Delikte vorgeworfen.

Haftgründe

Herrn Dr. Braun und den ehemaligen Spitzenmanagern des Dax-Konzerns wird ein „bandenmäßiges Vorgehen“ vorgeworfen. Laut der Anklage sollen Dr. Braun und seine Komplizen seit 2015 durch das Fälschen der Bilanzen kreditgebende Banken und Anleger um rund 3,1 Milliarden EUR betrogen haben. Davon sind 1,4 Milliarden EUR an Schuldverschiebungen und 1,7 Milliarden EUR an Krediten.

Ermittlungen

Laut Staatsanwaltschaft München waren die Bilanzen zwischen 2015 bis 2018 nachweislich falsch. Im Jahr 2019 kam es zu keiner geprüften Bilanz mehr, da die Wirecard AG im Juni 2020 Insolvenz angemeldet hat. Der Auslöser der Insolvenz sind vermisste 1,9 Milliarden EUR. Diese wurden angeblich auf Treuhandkonten in Asien verbucht.

Tatsächlich soll es sich hierbei um Scheinbuchungen handeln. Als Zahlungsdienstleister wickelte der Wirecard-Konzern Kreditkartenzahlungen im Onlinehandel und an den Ladenkassen ab. Das Geld wurde von den Partnerfirmen als Erträge im Auftrag der Wirecard verbucht. „Tatsächlich war es so, dass dieses äußerst ertragreiche Geschäft vor allem in Asien schlichtweg erfunden war“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Anne Leiding.

Die Ermittlung im Falle Wirecard verlief sehr umfangreich. Allein in Deutschland wurden 40 Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt und tatsächlich vollzogen. Laut der Staatsanwaltschaft gibt es außerdem rund 90 Europäische Rechtshilfeersuchen oder Ermittlungsanordnungen.

Dr. Markus Braun weist die Vorwürfe zurück

Der Ex-Vorstandsvorsitzende des Dax-Konzerns, Dr. Markus Braun, weist die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Dr. Braun behauptet, nichts von den kriminellen Machenschaften gewusst zu haben. Er hat außerdem bereits zwei Haftbeschwerden eingereicht.

Seine Verteidiger behaupten, dass Herr Dr. Braun von dem geflüchteten Ex-Asienvorstand Jan Marsalek und seiner kriminellen Bande hintergangen worden sei. Jan Marsalek gilt als vierter Hauptverdächtiger, gegen den die Staatsanwaltschaft ebenfalls gesondert ermittelt. Eine Anklage gegen den untergetauchten Ex-Chief Operating Officer Marsalek wurde bislang noch nicht erhoben.

Prognosen der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft vertritt die Ansicht, dass den Beschuldigten spätestens bis Ende 2015 bewusst gewesen sein sollte, dass Wirecard-Konzern erhebliche Verluste erwirtschaftet. „Der Angeschuldigte Dr. B. wusste, dass mit Übernahme der unrichtigen Buchungszahlen die Konzernbilanz ebenfalls falsch ausgewiesen wurde und unterzeichnete als CEO gleichwohl die jeweiligen Abschlüsse“, so die Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten verfolgten das Motiv, sich eine dauerhafte Einnahmequelle durch die Betrugsmasche zu verschaffen.

In einem Hinweis verdeutlichte das Oberlandesgericht, das nach aktuellem Stand die Klagen gegen Dr. Braun und Jan Marsalek begründet sind und von der Haftung den Anlegern gegenüber auszugehen ist.

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